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Luftbadehemd, Odol und Hygiene-Welt-Ausstellung
Lahmann-Sanatorium. Hygienemuseum, Lingnerschloss und Odol

Dresden, den 25.01.2010


Open-Air-Gymnastik in „Luftbadehemd“ und kurzen Hosen – Frühsport anno 1888

Verordnet vom bedeutenden Naturheilkundler Heinrich Lahmann (1860-1905) in seinem Sanatorium. Im noblen Dresdner Vorort (heute Stadtteil) „Weißer Hirsch“ gelegen, entwickelte es sich schnell zu einer namhaften Einrichtung. Die international frequentiert wurde. In Hoch-Zeiten empfing das Lahmann-Sanatorium bis zu 4000 Kurgäste. Wohlhabende Kaufleute, Familienmitglieder der Hohenzollern und des russischen Zaren. Könige und Fürsten aus Europa, Asien und Ägypten. Schauspieler, Sänger und Schriftsteller.
Lahmann selbst strebte die Schaffung eines einheitlichen Heilsystems an. Auch er entwickelte die Theorie, dass „alle Krankheiten letztlich durch falsche Ernährung verursacht werden…“ Davon ausgehend, dass die übliche Kost zu säurereich sei, wandte er sich der Rolle der Mineralstoffe zu. Und war der erste, der ihre Bedeutung für den menschlichen Organismus erkannte.


Odol-Mundwasser und Erste Internationale Hygiene-„Welt“ausstellung – Medizinischer Fortschritt à la Dresden

Der Name des medizinischen Quereinsteigers Karl August Lingner (1861-1916) ist untrennbar mit Dresden verbunden. Geboren in Magdeburg, absolvierte er zunächst eine Handelsausbildung. Als er später durch einen Freund Zugang zu Arbeiten der Bakteriologie fand, erkannt er diese Zukunftschance sofort. Lingner erfand das Odol-Mundwasser und gilt als Mitbegründer der Markenartikelindustrie. Odol fand reißenden Absatz und ließ ihn schnell zu einem wohlhabenden Unternehmer werden. Lingner wurde Bonvivant – mit einem fürstlichen Lebensstil und rauschenden Festen. Davon zeugt noch heute das „Lingner-Schloss“. Als eines der drei Elbschlösser wird es derzeit restauriert. Nach Fertigstellung werden hier etwa 30 Räume als Tagungs- und Veranstaltungs-möglichkeiten zur Verfügung stehen.

Doch Lingner realisierte auch zahlreiche Maßnahmen zur Volksgesundheitspflege. Er wurde zu einem bedeutenden Gesundheitsaufklärer, hielt allgemeinverständliche Vorträge zur Gesundheitsvorsorge,

eröffnete 1898 die erste Säuglingsklinik der Welt, gründete 1900 die Zentralstelle für Zahnhygiene und 1902 die Desinfenktorenschule. Im Jahre 1910/11 gründete Lingner das Sächsische Serumwerk Dresden, das noch heute als Arzneimittelhersteller unter neuer Firmierung tätig ist.

Im Jahre 1911 leitete er die 1. Internationale Hygieneausstellung in Dresden. Mit mehr als fünf Millionen Besuchern erlangte diese den Status einer Weltausstellung. Sie wurde zur Namensgeberin für das heutige Hygienemuseum.

Der Grundstein für das monumentale „Deutsche Hygienemuseum“ wurde 1927 gelegt, zur Eröffnung 1930 zählte es zu den größten und modernsten Museen seiner Zeit.
Inhaltlicher Schwerpunkt des Museums ist seit jeher der Mensch. In einer Vielzahl von Ausstellungen werden die biologischen, sozialen und kulturellen Aspekte des menschlichen Lebens beleuchtet.
Nach der komplexen Renovierung bis März 2005 ist die neue Dauerausstellung (2500 qm Fläche, 7 Themenräume, 1.300 Exponate) interaktiv zu erleben. Durch Einbeziehung neuester biowissenschaftlicher Forschungsergebnisse in Kombination mit weltbekannten Exponaten wie z.B. der Gläsernen Frau, hat sich das Museum in die erste Liga der europäischen Wissenschaftsmuseen emporgearbeitet.
Das moderne Tagungszentrum kann in Verbindung mit den Museumsausstellungen genutzt werden. Ihre Konferenz oder ein exklusives Abendessen im Museum selbst erhalten so den passenden fachlichen Rahmen.

Nächste Folge: Wellenbaden, Sinalco und Diabetes-Prävention



Foto: Deutsches Hygienemuseum Dresden

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